Rezensionen

Auszüge von unterschiedlichen Plattformen

Von "Hiltibold" - Amazon - 4 Sterne (18. Dezember 2019)

Die Nibelungen sind relativ vielen Menschen zumindest vage ein Begriff - schließlich ist die entsprechende Sage in Form des Nibelungenlieds eines der herausragendsten Beispiele für deutschsprachige Dichtung im Mittelalter. Doch wer sind die auf einen ähnliche Namen hörenden Niflungen?
Eigentlich sind Nibelungen und Niflungen im Kern das Gleiche, lediglich die Schreibweise unterscheidet sich aufgrund verschiedener Überlieferungen. Kurz zusammengefasst geht es bei der Geschichte um einen (während der Völkerwanderungszeit) am Rhein lebenden germanischen Stamm, der nach dem Mord an einer hochrangigen Persönlichkeit (Siegfrid) in Streit mit einem Nachbarn gerät und dabei nahezu völlig ausgelöscht wird.
Schon lange glauben einige Historiker, im Sagenstoff der Nibelungen/Niflungen einen mehr oder weniger stark ausgeprägten wahren Kern erkennen zu können. Wobei das aus dem Hochmittelalter stammende Niebelungenlied die mutmaßlichen Fakten bereits arg verzerrt und vieles ganz offensichtlich durcheinander bringt, während Überlieferungen - wie die nordische Thidrekssaga - näher an den 'Fakten' angesiedelt zu sein scheinen.
Die Thidrekssaga bzw. Ihre Übersetzung von Heinz Ritter-Schaumburg ist dann auch die Hauptgrundlage für Martin Hubers "Saat der Rache - Die Chronik der Niflungen". In seinem Historischen Roman, der zeitlich um 500 n. Chr. angesiedelt ist, 'rationalisiert' er den Sagenstoff. Besonders gut abzulesen ist dies an der Figur des Siegfried. Aus dem Drachentöter wird hier jemand, der einen mörderischen, in einer Felsenhöhle hausenden Wegelagerer erschlägt, dessen Helmzier einen Drachen darstellt. Und anstatt - wie in der Sage - in Drachenblut zu baden, um dadurch unverwundbar zu werden, nimmt hier Siegfried dem Getöteten ein besonders hochwertiges Kettenhemd ab. Dadurch erlangt er zwar keine Unverwundbarkeit, verschafft sich gegenüber dem Durchschnittskrieger der damaligen Zeit aber einen erheblichen Vorteil.
Ich finde Martin Hubers Ansatz, der Sage mit Abwandlungen wie diesen Glaubwürdigkeit zu verleihen, äußerst gewitzt!
Ein wenig nachteilig auf das Lesevergnügen wirkt sich aus, wenn man die Nibelungen-Sage und vor allem ihren Ausgang kennt. Dadurch geht naturgemäß manch überraschende Wendung flöten. Freilich, dafür kann der Autor nichts.
Der Schreibstil des Buchs ist sehr flüssig und kurzweilig. Auch war Martin Huber bemüht, dem Leser nützliche Hintergrundinformationen zu geben, wie ein recht umfangreicher Anhang bezeugt.
Was die beschriebenen historischen Details betrifft, so wurden diese meiner Meinung nach recht treffend wiedergegeben, wenn man von Kleinigkeiten absieht.
Fazit: Unterm Strich ein gelungenes Buch, dass einer alten Sage neues Leben und Glaubwürdigkeit einhaucht!

Von "Geist" - Amazon - 5 Sterne (2. Dezember 2017)

Alte Geschichte in neuem Gewand:
Stolz, Ehre, Freundschaft, aber auch unverstellte Gier, Lügen und Verrat - der Stoff um die Nibelungen beschäftigt nicht von ungefähr seit Jahrhunderten Schriftsteller immer wieder aufs Neue.
Es ist dem Autor dank seiner Sprache und Ausdrucksweise gelungen, die Epoche der Niflungen wieder auferstehen zu lassen. Die Figuren sind authentisch innerhalb ihrer Welt, die noch stark von alten germanischen Vorstellungen und Gebräuchen durchdrungen ist, etwa der Blutrache. Einen interessanten Aspekt bietet dieses Buch dadurch, dass der Autor mehrere, teils recht unbekannte Quellen berücksichtigt hat. Besonders beeindruckt hat mich das Nachwort, in dem er genau aufzeigt, was woher stammt und auch die überlieferten Volks- und Ortsnamen mithilfe der Etymologie neu und anders zuordnet, als es bei den klassischen Nibelungenstoffen der Fall ist. Die Sache mit Attila, dem Hunnenkönig, kam mir immer ein wenig seltsam vor, zumal die Geschehnisse von dieser Seite auch nicht überliefert sind.
Mein Fazit: Eine gelungene Neufassung des alten Stoffes und absolut lesenswert!

 

Von "Schurl" - Amazon - 5 Sterne (19. August 2017)

Historischer Roman aus der Zeit der Völkerwanderung:
Endlich einmal wird die Nibelungensage so erzählt, dass der zeitliche und örtliche historische Zusammenhang gewahrt bleibt. Durch genaues Recherchieren in mittelalterlicher Unterhaltungs- und historischer Außenseiterliteratur gelingt es dem Autor, aus dieser Sage einen historischen Tatsachenroman mit Krimiqualität zu machen. Gut und sehr spannend geschrieben ist es das ideale Buch für Regentage im Urlaub. Sehr empfehlenswert!

 

Von Andreas A. - Hofer Life - 5 Sterne (9. Dezemer 2017)

Wozu nach Auenland und Mordor, Westeros und Essos schweifen?
Ein offensichtlich umfassend recherchierter und überaus spannend erzählter Brückenschlag zwischen Sagenwelt und Geschichte; Wagnerianer kommen dabei ebenso auf ihre Kosten wie Fantasy-Fans.

 

Von Alfons H. - Weltbild - 4 Sterne (6. August 2017)

Wer sich für die Zeit des frühen Mittelalters jenseits von Phantasy-Romanen interessiert, wird hier nicht enttäuscht. Es war schon ein bisschen mutig, sich an diesen berühmten Stoff heranzuwagen, aber die Ansage, die vielen Widersprüchlichkeiten, die der bisherigen offiziellen Version anhaften aufzudröseln, wird voll eingelöst. Spannend und vor allem zeitgeschichtlich kongruent wird eine Geschichte aufgebaut, die ohne Drachenblut und Lindenblatt auskommt, und dennoch, nein deshalb logisch und fesselnd bis zum verblüffenden Schluss bleibt. Das Ambiente und die Lebensgewohnheiten sind aus meiner Sicht gut recherchiert, die Atmosphäre ist stimmig. Die manchmal etwas plakative Schilderung hat mich gehindert, einen fünften Stern zu vergeben (ich hätte gern noch einen halben drauf gesetzt). Echt lesenswert!

 

Von Christian R. - Weltbild - 4 Sterne (4. Dezember 2017)

Als Kind habe ich die Bücher von Auguste Lechner zu den Rittersagen immer verschlungen. Dementsprechend hoch war die innewohnende Erwartungshaltung beim Lesen dieses Buches. Mit den Büchern Lechners lässt sich "Saat der Rache" natürlich nicht vergleichen, vor allem, weil es definitiv nicht für Kinder geschrieben ist, aber interessant und unterhaltsam ist das Buch allemal, speziell für interessierte Erwachsene. Vor allem, da sehr klar herauskommt, dass der Autor gründlich recherchiert hat und um Geschichtstreue aufrichtig bemüht ist. Und diese Geschichtstreue gibt dem bekannten und vielfach verarbeiteten Niebelungenlied eine neue Perspektive, die auch verständlich macht, warum diese Sage um eine Stammesfehde noch immer so packend ist. Schwertkämpfe und Blutrache sind zwar heutzutage nicht aktuell, aber die menschlichen Verstrickungen allemal. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Mischung aus einerseits einer modernen Erzählweise, andererseits dem Einsatz einer Sprache, die an so manchen Stellen antiquiert wirkt. Aber dadurch wird halt der Bogen zu den alten Quellen und der damaligen Lebensweise gespannt.

 

Von H.H. - Kurier - 3 1/2 Sterne (12. Dezember 2017)

Kurier-Rezension: Vorbild für "Game of Thrones"

https://kurier.at/kultur/und-wieder-zwoelf-neue-buecher/301.823.304